Die Debatte um Parität, positive Diskriminierung und die Teilhabe von Frauen hat die verschiedenen Initiativen der offiziellen und sozialen Akteure in Essaouira anlässlich des Internationalen Frauentags maßgeblich motiviert.
Zwar waren sich die Frauen über die Besonderheit des Ereignisses einig, doch entschieden sie sich, es auf unterschiedliche Weise zu feiern. Einige feierten mit Blumen, Paraden und Empfängen, während andere, die von Ausgrenzung und Prekarität betroffen sind, beschlossen, sich Gehör zu verschaffen und den Tag mit Protesten zu begehen, bei denen sie in erster Linie eine menschliche und soziale Parität forderten.
Die Delegationen des Bildungsministeriums, der nationalen Hilfsorganisation Entraide Nationale, der Schulen sowie zahlreiche Akteure der Zivilgesellschaft setzten vielfältige Programme um (Paraden, Ehrungen, poetische und künstlerische Abende, Konferenzen, Empfänge), um diesen Tag zu würdigen und der weiblichen Präsenz in einer pluralistischen Gesellschaft einen wohlverdienten Tribut zu zollen.
Die Frauen aus dem Viertel Mellah in der alten Medina sowie die Frauen aus dem Douar Laâreb, nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, gingen auf die Straße und erhoben ihre Stimme, um gegen ihre prekäre Lage zu protestieren und ihre Grundrechte einzufordern.
Am Donnerstag, den 8. März 2012, gegen 16 Uhr skandierten die Frauen aus der alten Medina Slogans gegen die „Hogra“ (Ungerechtigkeit) und marschierten zum Sitz der Provinz, wo sie ein Sitzstreik abhielten, um eine Lösung für ihr Problem zu fordern. Da sie im Umsiedlungsprogramm für die Bewohner der alten Medina vergessen wurden, forderten sie ihr Recht auf Wohnraum, Würde und Grundversorgung. Sie skandierten zudem Slogans gegen Verderbtheit und Korruption und forderten die Verantwortlichen für dieses heikle und von zahlreichen Unregelmäßigkeiten geprägte Dossier auf, für ihre Fehler Rechenschaft abzulegen.
Nicht weit entfernt, im Douar Laâreb, das trotz seiner Zugehörigkeit zum Stadtzentrum seit 20 Jahren isoliert ist, feierten die Frauen des Vereins für die Entwicklung von Douar Laâreb diesen Tag mit der Veröffentlichung einer Erklärung, in der sie die Auswirkungen von Ausgrenzung und Prekarität anprangerten. Sie fordern ihre Rechte ein, insbesondere Zugang zu Trinkwasser, Abwasserentsorgung, Transport, Bildung, Gesundheitsversorgung und Sicherheit.
Als Gürtel der Armut und des Elends sowie als Wahlhochburg einiger Figuren, die nichts mit Politik zu tun haben, benötigt das Gebiet Douar Laâreb mehr denn je ein dringendes Sanierungsprogramm und ein besonderes Interesse seitens der lokalen Behörden und des Gemeinderats.
Lieferant / Quelle : Abdelali khallad, Libération